Altstadt-Spaziergang IV : Maria-Magdalenen-Quartier

lubeck 4087925 1920 Bild von Achim Scholtya auf pixabay

Behindertenwegweiser Lübeck

Altstadt-Spaziergang IV : Maria-Magdalenen-Quartier


Einrichtung: Spazierweg
Beckergrube - Große Burgstraße
23552 Lübeck
Träger: Stadt Lübeck

Mit Hilfe zugänglicher Eingang

Bemerkung:

Zwischen den Jahren 1500 und 1884 war die Lübecker Altstadtinsel in vier etwa gleich große Quartiere eingeteilt. Schnittpunkt der Quartiere ist der Brunnen Goldener Sod an der Kreuzung Breite Straße/Mengstraße. Die Gliederung diente der Vereinfachung der Verwaltung (Postwesen, Versicherungen, Hausnummern, Steuererhebung usw.).

Die Quartiere dienen hier als Vorlage für vier Spaziergänge. Auf diesen Wegen kommt der Besucher an fast allen Sehenswürdigkeiten der Lübecker Altstadt vorbei und bekommt eine Vorstellung davon, warum die Hansestadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Viele Objekte verdienen eine eingehendere Beschäftigung, können hier aber nur gestreift werden. Für weitere Informationen folgen Sie bitte den Links oder gehen Sie zu den einschlägigen Websites.

Die Routen verlaufen auf asphaltierten bzw. gepflasterten Gehwegen; manchmal muss eine Straße überquert werden, dann ist Vorsicht bei hohen Bordsteinkanten und grobem Kopfsteinpflaster geboten. Außerdem ist zu beachten, dass die Rippenstraßen, die westlich und östlich zu den Uferstraßen führen, teilweise ziemlich steil sind. Wo besondere Hindernisse auf dem Weg auftauchen, wird besonders darauf hingewiesen.

Dieser Spaziergang ist ein Streifzug von etwa 2.300 Meter Länge durch das Maria-Magdalenen-Quartier (benannt nach Maria Magdalena, der Begleiterin Jesu) im Nordwesten des Altstadthügels. Es war die Wohngegend der Kaufleute, Seefahrer und Hafenarbeiter. Große Teile dieses Bereichs wurden bei der Bombardierung von 1942 zerstört.

Wegbeschreibung:

Der Spaziergang startet an der Kreuzung Beckergrube/Breite Straße.

Hier steht seit 1989 der markante Glas-Pavillon, ein modernes Gegenstück zu den ca. 1200 denkmalgeschützten Gebäuden der Altstadt; er steht an der Stelle, wo sich die Straßeneinmündung früher befunden hat; die Breite Straße hat ihren Namen seit dem Jahr 1284, war aber bis 1942 gar nicht so breit – an der Treppe neben dem Pavillon steht eine Gedenktafel, die an den großen Schriftsteller der Stadt, Thomas Mann erinnert – und kurz dahinter ein weiteres Beispiel öffentlicher Kunst, die Bronze-Skulptur „Drehtür“.

Wir gehen die Fußgängerzone hinauf.

Dieser Teil der Breiten Straße wurde fast vollständig Opfer der Bombardierung von 1942; die Häuser rechts und links sind gesichtslose Bauten der 1950er Jahre, nur das Bankgebäude hebt sich positiv ab – auf dem Scheitelpunkt des Anstiegs steht rechts der moderne Brunnen „Goldener Sod; er markiert den Mittelpunkt der Altstadt.

Wir gehen rechts in die Mengstraße.

Das Haus mit der weißen Barock-Fassade ist das Buddenbrookhaus (Nr.4); es wurde zwar nach dem bekanntesten Roman von Thomas Mann benannt, widmet sich aber mit verschiedenen Ausstellungen und Installationen dem Leben und Werk von Heinrich und Thomas Mann, sowie von Erich Mühsam; original ist nur noch die Fassade; das Haus dahinter wurde im 2. WK zerstört; das Haus mit der hochgotischen Backsteinfassade daneben (Nr. 6) wird in das „Heinrich und Thomas Mann-Zentrum“ einbezogen; auch hier ist nur noch wenig echt: Die Fassade wurde von einem anderen Standort hierher transferiert – das breit stehende Backsteinhaus Nr. 8 ist die Wehde, das Pfarr- und Küsterhaus von St. Marien; eine Wehde für die Mariengemeinde steht seit dem 13. Jahrhundert an dieser Stelle, das jetzige Gebäude ist im Kern von 1600 mit Veränderungen aus dem 19. Jahrhundert – interessant ist das Eckhaus zur Straße Fünfhausen; es ist zwar ein Nachbau eines zerstörten Renaissance-Hauses, beherbergt aber immer noch Deutschlands ältestes Verlags- und Druckhaus (seit 1579) – wir gehen über die Kreuzung und die Mengstraße weiter hinab; unterhalb der Einmündung der Blocksquerstraße stehen die wichtigsten Beispiele des Typs „Lübecker Kaufmannshaus“, die der Krieg und nachfolgende Bauwut übrig gelassen haben; an den Fassaden hat man seinerzeit den Status und Reichtum der Besitzer gezeigt; im hohen Erdgeschoß waren typischerweise Einbauten für die Kontore und eine Dornse (Küche), hier fand auch der Warenumschlag statt; in den niedrigen Obergeschossen wurden die Waren gelagert; gewohnt wurde in einem hinteren Flügelanbau; besonders sehenswert sind die zwei Fassaden des Schabbelhauses.

Unten angekommen kreuzt die Straße An der Untertrave. Wir gehen in rechter Richtung weiter.

Ein Straßenwechsel auf die Uferseite (Wenditzufer) lohnt sich; hier lag der Seehafen, die Hauptquelle von Lübecks Wohlstand und Bedeutung („Königin der Hanse“); vom regen Hafenleben ist nichts mehr erkennbar, der Oldtimer-Hafen mit den Traditionsseglern vermittelt noch einen Hauch von Seefahrer-Romantik.

Wir gehen die Untertrave weiter bis zum Drehbrückenplatz. Hier kann man ausruhen und einen Blick in die gegenüber aufsteigende Engelsgrube werfen.

Die Engelsgrube gilt als Lübecks schönste Straße: Zu beiden Seiten stehen Häuser aus dem 15. bis 19. Jahrhundert, in der Mitte liegt altes Kopfsteinpflaster; nach oben zu verengt sich die Straße und wird steiler, zwischen den letzten Häusern überspannen Schwibbögen die Straße und als Abschluss thront im Hintergrund die Seefahrer-Kirche St. Jakobi; am Fuß der Straße steht links ein zum Wohnhaus umgebauter Luftschutzbunker; im weiteren Verlauf sind bemerkenswert die Häuser Nr. 81/83 (Doppelgiebelhaus von 1566), Nr. 74 (mit schmucker Rokoko-Fassade), Nr. 68 (Rotbrauerhaus von ca. 1600) und Nr. 62/64 (Häuser der Heilsarmee) – die Engelsgrube ist auch für ihre Wohngänge bekannt, die hier hinter den Straßenhäusern noch mehrfach erhalten sind; im Gegensatz zu den Stiftsgängen und Stiftshöfen sind die Wohngänge komprimierte Wohnanlagen, mit denen Miete verdient wurde; Lübeck war für Jahrhunderte eine „Boom-Town“, bis 1650 stieg die Einwohnerzahl von 6.000 auf 31.000 (heute: ca. 14.000); da außerhalb der Stadtmauern nur wenige Bürger wohnen durften, musste Wohnraum geschaffen werden; findige Hausbesitzer haben einen schmalen Gang durch ihr Haus getrieben und im Hof oder Garten dahinter einfache Reihen von Buden gebaut; sie waren für Niedriglöhner und deren Familien gedacht und boten nur einfachste Ausstattungen, teilweise bestanden sie aus Lehm oder Holz; im Jahr 1700 gab es etwa 180 Wohngänge, von denen heute noch 85 übrig sind; aus den prekären Behausungen sind mittlerweile begehrte Wohnlagen geworden. Hier eine repräsentative Auswahl: Zerrahns Gang (Nr. 73); langer, schmaler Gang seit ca. 1450, die beiden eingeschossigen Hausreihen aus dem 19. Jh. – Bäckergang (Nr. 43); reich gegliederte Fachwerkbuden von 1552, die anderen Häuschen von 1863; Vorsicht! Hier sind mehrere Stufen im Weg – Qualmanns Gang (Nr. 32); ursprünglich kombiniertes Wohn- und Speichergebäude von 1606; Treppe mit vier Stufen hinter dem Durchgang! – Sievers Torweg (Nr. 31); mit Bebauung aus dem 18. Und 19. Jh., teilweise schon von 1550; auf dem Boden liegt grobes Kopfsteinpflaster!

Oben angekommen erreichen wir die Breite Straße.

Das große Eckhaus (Nr. 2) ist das Haus der Schiffergesellschaft, ein Highlight für jeden Touristen; es war und ist Treffpunkt der Seefahrer und Amtshaus der alten Berufsgenossenschaft, erbaut 1535 (Eingang mit Beischlagwangen von 1768, Fassade 1880 erneuert); eindrucksvoll ist die große Dielenhalle (Gastraum), die das ganze Erdgeschoß einnimmt und mit originalem, maritimen Interieur aus der Gründungszeit ausgestattet ist.

Wir wenden uns nach links zum Koberg. Den Platz überqueren wir an der Seite der Bürgerhäuser (darunter das stattliche Hoghehus, Koberg Nr. 2) und gehen in die Kleine Burgstraße.

Das breite Eckhaus Nr. 24/26 ist die Ernestinenschule, ursprünglich eine Mädchenschule, seit 1904 in diesem Gebäude mit einer Fassade im Heimatschutzstil – Kranenkonvent (Nr. 22); Wohnhaus der Beginen-Gemeinschaft seit 1284, nach der Reformation Armen- bzw. Siechenhaus, zuletzt Altersheim; die Fassade und der größte Teil der Bausubstanz sind noch original! – Pockenhof (Nr. 20); eine Ganghausreihe mit vier zweistöckigen Häusern aus dem 16./17. Jh., ursprünglich ein Armen- und Aussätzigenhaus; der Zugang verläuft über einen Seitenweg (mit Stufen!) oder einer schmalen Straße (mit grobem Kopfsteinpflaster!) links am Vorderhaus vorbei.

Wir bleiben in der Kleinen Burgstraße. Sie macht einen scharfen Rechtsknick und heißt ab hier Hinter der Burg. Nach 80 Metern kreuzt die Große Burgstraße. Hier geht es in linker Richtung weiter.

Das große Backsteingebäude auf der linken Straßenseite ist heute das Landesamt für soziale Dienste [Link], davor war es Gerichtsgebäude mit Untersuchungsgefängnis und ganz früher stand hier der östliche Trakt des Burgklosters – wir gehen auf das Burgtor zu, neben dem Holstentor das einzige erhaltene Tor der alten Stadtbefestigung; es ist Teil eines größeren Gebäude-Ensembles mit dem Marstall links und dem ehemaligen Zöllnerhaus rechts vom Tor; wir gehen durch das Tor und sehen auf der Außenseite den ältesten Teil der Stadtmauer und die letzten erhaltenen Befestigungstürme.

Links hinter dem Tordurchgang gehen wir in den Marstallweg.

Der befestigte Fußweg führt in einem großen Bogen auf die Aussichtsterrasse des Europäischen Hansemuseums. Von hier hat man einen Ausblick auf die Relikte der alten Hafenanlagen mit den Lagerschuppen (z.B. Schuppen 9 (Bild) und Schuppen 6), Bahngleisen der ehemaligen Hafenbahn, Drehkräne und die mechanischen Brücken, die immer noch funktionieren (Hubbrücke [Link] und Drehbrücke [Link]). Im Sommer ist die Terrasse bewirtschaftet.

Von der Aussichtsterrasse fährt ein Lift nach unter; wir fahren zwei Etagen tiefer und steigen an der Straße An der Untertrave aus.

Wir sind direkt vor dem Europäischen Hansemuseums [Link]; es zeigt in mehreren Ausstellungsräumen Inszenierungen zu typischen Szenen der Hansezeit – hier kann man auch Eintrittskarten für das angeschlossene Museum Burgkloster kaufen; eine Etage höher sind die Reste von Lübecks ältestem Kloster zu besichtigen.

Unser Spaziergang endet hier.

(Letztes Update: 24.Februar 2020)


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Service:  Redaktion1
Kategorien: Altstadt | Tourismus | Spazierwege | Sport und Freizeit
Kontakt: Behindertenwegweiser Lübeck   Telefon: 0451 384448-821
Aufnahme: 24.02.2020        Letzte Bearbeitung: 27.02.2020
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