Altstadt-Spaziergang I: Jakobi-Quartier

lubeck 4087925 1920 Bild von Achim Scholtya auf pixabay

Behindertenwegweiser Lübeck

Altstadt-Spaziergang I: Jakobi-Quartier


Einrichtung: Spazierweg
Alstadt Nord-Ost
23552 Lübeck

Mit Hilfe zugänglicher Eingang

Beschreibung:

Zwischen den Jahren 1500 und 1884 war die Lübecker Altstadtinsel in vier etwa gleich große Quartiere eingeteilt. Schnittpunkt der Quartiere ist der Brunnen Goldener Sod an der Kreuzung Breite Straße/Mengstraße. Die Gliederung diente der Vereinfachung der Verwaltung (Postwesen, Versicherungen, Hausnummern, Steuererhebung usw.).

Die Quartiere dienen hier als Vorlage für vier Spaziergänge. Auf diesen Wegen kommt der Besucher an fast allen Sehenswürdigkeiten der Lübecker Altstadt vorbei und bekommt eine Vorstellung davon, warum die Hansestadt zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Viele Objekte verdienen eine eingehendere Beschäftigung, können hier aber nur gestreift werden. Für weitere Informationen folgen Sie bitte den Links oder gehen Sie zu den einschlägigen Websites.

Die Routen verlaufen auf asphaltierten bzw. gepflasterten Gehwegen; manchmal muss eine Straße überquert werden, dann ist Vorsicht bei hohen Bordsteinkanten und grobem Kopfsteinpflaster geboten. Außerdem ist zu beachten, dass die Rippenstraßen, die westlich und östlich zu den Uferstraßen führen, teilweise ziemlich steil sind. Wo besondere Hindernisse auf dem Weg auftauchen, wird besonders darauf hingewiesen.

Dieser Spaziergang führt durch das Jakobi-Quartier (benannt nach dem Apostel Jakobus der Ältere). Er überdeckt das nord-östliche Viertel der Altstadt und ist mit etwa 1800 Metern recht kurz.

Wegbeschreibung:

Der Spaziergang beginnt bei der Kreuzung Dr.-Julius-Leber-Straße/Rosengarten.
Das große, winkelförmige Gebäude ist das St. Johannis-Jungfrauenkloster (Nr. 73), eine Nachfolgeeinrichtung des nebenan gelegenen Nonnenklosters St. Johannis; nach der Reformation wurde aus dem Kloster ein evangelisches Damenstift; nach dem Abriss fast aller Klostergebäude entstand die Stadtfeuerwache, das Gymnasium Johanneum und 1903/04 dieses Gebäude; heute ist es ein Seniorenheim für 43 bedürftige Damen (die keine Jungfrauen mehr sein müssen) und wird von der Lübecker Stiftungsverwaltung geleitet – die Dr. Julius-Leber-Straße geht es weiter bergauf – die nächste Sehenswürdigkeit ist Nr. 67 auf der rechten Seite, Segebergs Armenhaus; hinter dem Renaissance-Gebäude verbergen sich zwei weitere, angebaute Häuser, die bis zu 15 armen Bürgern Obdach und Pflege boten – Nr. 37/39 ist wieder eine Art „betreutes Wohnen“ der Barockzeit: Der Haasenhof von 1729; er ist der jüngste Lübecker Stiftungshof; hinter dem zweiteiligen Vorderhaus öffnet sich ein Innenhof und darum gruppieren sich zwei Hausreihen mit je 6 Wohneinheiten und das Vorsteherhaus.

Weiter oben kreuzt die Königstraße.

Die Route wendet sich nach rechts zur Königstraße Nr. 42; in dem Gebäude von 1895 mit der aufwendigen neugotischen Sandsteinfassade war die Reichsbank ansässig, jetzt ist dort das Institut für Medizingeschichte der Lübecker Universität – Haus Nr. 30 ist ein vorbildlich saniertes Kaufmannshaus mit einer der ältesten Fassaden der Altstadt (ca. 1300) – der Gebäudekomplex Nr. 27-31 ist das Gymnasium Katharineum, hervorgegangen aus dem ehemaligen Franziskanerkloster St. Katharinen – von den fünf Lübecker Klöstern haben vier keine eigene Kirche mehr; die Kirche St. Katharinen, heute Museumskirche St. Katharinen, ist die einzige, die noch komplett erhalten ist; sie liegt direkt an der Schule; wenn die Kirche verschlossen ist, kann noch ihre ausgefallene Westfassade studiert werden.

Der Weg wendet sich nach rechts in die Glockengießerstraße.

An die Chorwand der Katharinenkirche schmiegt sich das barocke Werkmeisterhäuschen (Nr. 2), heute von der russisch-orthodoxen Gemeinde als Versammlungsraum genutzt – Haus Nr. 8, einige Meter weiter auf der rechten Seite, ist das Wickede-Stift; das Haus mit seiner Backstein-Fassade von 1783 gehörte zu einer alten Stiftung für bedürftige Witwen, heute ist hier ein Studenten-Wohnheim untergebracht – Haus Nr. 21 halblinks gegenüber ist das Günter-Grass-Haus, eine Erinnerungs- und Dokumentationsstätte für den Nobelpreisträger Günter Grass, der starke Bindungen zu Lübeck hatte – weiter unten auf der gleichen Straßenseite liegen die drei bekanntesten Armenstiftungen: Der schönste von ihnen, der Füchtingshof unter Nr. 23-27, einige Meter weiter unten das Ilhornstift (Nr. 39) und Glandorps Hof (Nr. 41-53); Stiftungshöfe und Stiftungsgänge sind Einrichtungen reicher Bürger oder Kaufleute; sie bestehen meistens aus einem aufwendigen Vorderhaus (das den Status des Spenders deutlich macht) und daran anschließend ein Gang oder Hof, der ein- oder beidseitig mit kleinen Reihenhäusern bebaut ist; die Bewohner waren eine kleine, bedürftige Gruppe von Bürgern, deren Lebensunterhalt aus dem Stiftungsvermögen finanziert wurde; ein Vorsteher (Verwalter) lebte ebenfalls in der Anlage, allerdings in einer prunkvollen Wohnung oder einem besonderen Haus; das Stiftungswesen hat lange Tradition in Lübeck; früher hat man sich damit sein Seelenheil erkauft und die mittelalterliche „Milte“ (Mildtätigkeit) walten lassen, heute ist es Ausdruck von Heimatverbundenheit und sozialer Verantwortung – Haus Nr. 42 an der rechten Straßenecke zur Straße Tünkenhagen ist das Freibackhaus; das barocke Haus ist aus dem 18. Jahrhundert, aber schon seit 1313 waren hier Bäcker ansässig; sie nannten sich frei, weil sie Backwaren nach eigenen Vorstellungen herstellen wollten und aus der Bäckerzunft ausgetreten waren; das schmale Eckhaus daneben zeigt, wie sparsam mit Platz auf der beengten Stadtfläche umgegangen wurde.

Der Spaziergang geht in linker Richtung im Langen Lohberg weiter.

Die einheitlich anmutende Folge der Häuser Nr. 33-49 waren Brauhäuser aus dem 16. Jahrhundert – die drei Reihenhäuser Nr. 27-31 stammen im Kern aus der Zeit um 1500; hier wohnten vermutlich Gerber.

Das große, weiße Gebäude an der Straßenecke zur Großen Gröpelgrube ist die Gertrudenherberge, eine Pilgerherberge von 1360.

Wir gehen die Große Gröpelgrube hinauf und passieren auf der linken Seite die ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Heiligen-Geist-Hospitals. Oben angekommen geht es halblinks auf den Koberg.
Ein absolutes Highlight des Platzes ist die Vorderkirche mit dem angeschlossenen Langhaus des Heiligen-Geist-Hospitals – ein Denkmal von europäischem Rang, das einen Extra-Besuch wert ist.

Wir betrachten es nur von außen und wenden uns wieder dem Platz zu.

Der Koberg gilt als einer der schönsten Plätze Nordeuropas; von alten Bürgerhäusern, der St. Jakobi-Kirche mit den Pastorenhäusern und dem Heiligen-Geist-Hospital umrahmt, zeigt er ein geschlossenes Panorama mit historischer Bebauung.

Nächste Station ist der Jakobikirchhof.

In einer langen Reihe stehen die vier Jakobi-Pastorenhäuser mit ihrer Schauseite zum Koberg; in den ehemaligen Pastorenwohnungen sind heute eine Pilger-Herberge, das Kirchenbüro, der Gemeindesaal und ein Pilger-Café eingerichtet – dahinter ragt die spätgotische Seefahrer- und Pilgerkirche St. Jakobi auf; sie blieb im Weltkrieg unbeschädigt und zeigt noch eine reiche Innenausstattung (historische Orgeln, gotische Pfeiler-Heilige usw.), sie beherbergt auch die Nationale Gedenkstätte der zivilen Schifffahrt – kleine Spenden konnte man außerhalb der Kirche abgeben (mit dem Relief des barmherzigen Samariters) und an der Kirchenmauer beginnt der älteste Kreuzweg Deutschlands.

Auf der Rückseite der Kirche verläuft wieder die Königstraße.

Gegenüber der Kirche liegt der kleine Geibelplatz mit dem Denkmal für Emanuel Geibel, einem bekannten Lübecker Dichter – links neben dem Denkmal führt eine schmale Stichstraße bergab zu den Bürgergärten; die drei benachbarten, öffentlich zugänglichen Kunstgärten sind eine Oase der Ruhe in der hektischen Innenstadt – zurück in der Königstraße ist die nächste Station das Museum Behnhaus-Drägerhaus (Nr. 9-11); in den beiden klassizistischen Kaufmannshäusern werden Kunstwerke der Romantik und der klassischen Moderne in historischem Ambiente gezeigt, im Garten hinter dem Museum liegt der Bauhaus-Pavillon der Overbeck-Gesellschaft (Nr. 11) mit Ausstellungen moderner Kunst – wenige Meter weiter die Königstraße hinauf ist in der Nr. 21 das Willy-Brandt-Haus; sie ist die dritte Lübecker Einrichtung, die sich einem Nobelpreisträger widmet; hier wurde das Andenken an den bekannten Sozialdemokraten im ehemaligen Haus der noblen Zirkel-Bruderschaft eingerichtet – letzte Station unseres Spaziergangs ist das große Gebäude gegenüber, die Reformierte Kirche Lübeck (Nr. 18); der spätbarocke Breitbau von 1826 wurde über drei Grundstücken errichtet; hinter der strengen Fassade verbirgt sich ein halbkreisförmiger Kirchensaal mit Umgang; im Rückflügel ist eine christliche Bibliothek untergebracht.

Damit endet der Spaziergang durch das Jakobi-Quartier.

(Letzte Aktualisierung: Dezember 2019)


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Service:  Redaktion2
Kategorien: Altstadt | Spazierwege | Sport und Freizeit
Kontakt: Behindertenwegweiser Lübeck   Telefon: 0451 384448-821
Aufnahme: 10.12.2019        Letzte Bearbeitung: 19.12.2019
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